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Wanderung zum "Vater-Unser-Stein"

In dieser Zeit schätze ich ganz besonders unser Waldviertel und die unzähligen Besonderheiten und Kulturschätze. Bewegung in der Natur ist auch in Zeiten des Lockdown möglich und sehr wohltuend.

Ich freue mich und staune was es alles in unmittelbarer Nähe zu sehen gibt, das ich bisher noch nicht kannte.

Mit Roland Kernstock mache ich mich auf den Weg zum "Vater-Unser-Stein".

 

 

 

Wie bei jeder Begebenheit, die keine Zeugen hatte, gibt es auch hier verschiedene Überlieferungen oder Mutmaßungen.

 

Eines steht fest in Stein gemeißelt:

Der Meister war Karl Riedl, der dieses Kunstwerk im Juli 1960 entstehen lies.

Roland erzählt mir aus seinem großen Wissensschatz über das Waldviertel von diesem Ort folgendes:

Einig sind sich die Erzählungen, dass Karl Riedl ein Bauer aus dem nahegelegenem Dorf Kottinghörmanns war. Nach Rolands Recherchen war der Anlass dafür entweder Liebeskummer oder der Wunsch, das Gebet im Originaltext für die Nachwelt in Stein zu meißeln. Wobei Zweitgenanntes naheliegender erscheint.

Im Buch von Roland Kernstock, "Mythos Nordwald, Die Saga des Waldviertels" sind noch weitere Geschichten zu dieser Steinformation und der Entstehungsgeschichte des Waldviertels zu lesen. Über seine Tätigkeiten als "Nordwaldkenner und Musiker" gibt es auf seiner Homepage Informationen.

https://rr2412.wixsite.com/roland-kernstock

 

Eine Woche lang war der Bauer im Dorf nicht gesehen worden und keiner wusste wo er steckte. Niemand konnte ahnen, dass er im Wald an seinem Kunstwerk mit Hammer und spitzem Eisen arbeitete.

 

275 Buchstaben, 5 Satzzeichen, seine Signatur mit Datum und das Abbild eines Rosenkranzes, der Perlenschnur für das Gebet der Christen, schlägt er in den Granitblock.

 

Roland erzählt mir wie alt diese Granitblöcke sind und wie sie entstanden sind.

Ehrfurcht kommt über mich über diese Steine, die zu Hauf bei uns in der Gegend liegen.

 

Ich denke, Herr Riedl war ein gläubiger Mensch.

 

VATER UNSER DER DU BIST IN DEM HIMMEL,

GEHEILIGT WERDE DEIN NAME!

ZUKOMME UNS DEIN REICH; DEIN WILLE GESCHEHE

WIE IM HIMMEL ALSO AUCH AUF ERDEN:

GIB UNS HEUTE UNSER TÄGLICHES BROT

UND VERGIB UNS UNSERE SCHULDEN

WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG

SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM ÜBEL.

AMEN

 

Ein ganzer Haufen Steine liegt hier neben dem "Vater-Unser-Stein".

"Im Waldviertel san ma stoareich!", heißt es.

 

Gerhard Hofmann aus Hirschbach, der viele Heimatlieder über das Waldviertel schrieb und vertonte, lässt uns im Lied "Waldviertler san ma" davon hören:

... Mir sitzn am Granitplateau, so sicha wia nur was, san allweil lusti, allweil froh ...

(entnommen aus "Lieder aus dem Waldviertel" von Walter Deutsch und Elisabeth Meyer erhältlich bei der NÖ Volkskultur)


Wegbeschreibung

 

Zu erreichen ist der Platz über das Teilstück des Thayatalwanderweges 630 zwischen Eibenstein (grün) und Eugenia (rot).

 

Von Eibenstein bis zum Forsthaus Ludwigsthal und vor dem Teich nach rechts einbiegen, immer der Markierung des Thayatalweges 630 folgen.

 

Kurz nach dem Hubertusmarterl den Weg rechts hinauf an dem grünen Hochsitz vorbei gehen. Hier ist dem Weg, wie unten beschrieben, zu folgen.

 

 

Von Eugenia kommend, nach ca. 30 Gehminuten von der Straße E49, sieht man links einen großen Hochsitz.

In diesen Weg links einbiegen und gerade aus ca. 700 m gehen, bevor dieser eine Kurve macht.

An dieser Stelle nach links über einen Steig zu den Granitblöcken hinaufwandern.

Dort liegt der "Vater-Unser-Stein" inmitten der anderen Granitblöcke.

 

Ich freue mich, wenn Sie Lust und Sehnsucht bekommen haben diesen Ort zu suchen und zu besuchen.

 

Was Herr Riedl da geschaffen hat berührt, ein Ort der Einkehr zu mir selbst, ein bleibendes Zeitdokument, gemeißelt in einen Stein, der Millionenjahre vor unserer Zeit entstanden ist.

 

Ich freue mich, wenn Sie mich zu einem gemeinsamen Ausflug dort hin kontaktieren.